Geschichte des BGB

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Hier ein Überblick über den Vortrag:
 
 
Vor 50 Jahren, am 12. Februar 1954, verfügte ein Erlass des Oberschulamtes Karlsruhe, dass den Höheren Schulen besondere Namen gegeben werden sollten. Dabei dachte man auch an Namen von Persönlichkeiten. Darüber beriet nun der Buchener Gemeinderat und schlug vor, "das Realgymnasium Buchen" nach dem früheren Wohltäter der Stadt, Dr. Burghardt, zu benennen.
Diesem Wunsch entsprach das Oberschulamt in Karlsruhe.
Am 23.September 1954 um 16 Uhr teilte Oberstudienrat Huber dem damaligen Direktor der Schule, Herrn Dr. Johann Hummel, telefonisch die Genehmigung zur Benennung der Schule in "Burghardt-Gymnasium" mit.

"Es gibt viele Orte, die kleiner sind als Buchen und doch einen der ganz Großen ihren Sohn nennen können. Womit es dann aber auch sein Bewenden hatte und die Kapazität erschöpft war. Anders Buchen: hier scheint die Natur nicht alles auf eine Karte gesetzt zu haben. Eine erstaunliche Anzahl Buchener hat es auf verschiedenen Gebieten zu großen Leistungen gebracht und ihre Zahl reißt nicht ab." So begann ich 1978 einen Vortrag über Buchens Persönlichkeiten.

Fern von Buchen sind sie groß geworden und hatten dort auch erst die Möglichkeiten dazu:
Wimpina konnte hier keine Universität gründen, Kraus nicht Hofkapellmeister werden und Wittemann nicht Staatspräsident.

Beim Stadtjubiläum 1980 sprach ich u.a. über Abwanderung in die Städte. Es waren ja nicht nur Dienstboten und Arbeiter, die in die Städte zogen, also ein gewisser Bevölkerungsüberschuss. Ich sprach von den 64 Abiturienten, die das Burghardt-Gymnasium damals gerade entlassen hatte. "Keine 10 von ihnen", führte ich aus, "werden und können nach dem Studium nach Buchen, zurückkehren. Die anderen und ihre nicht minder begabten Nachkommen sind uns verloren. Sie werden Spitzen und Führungskräfte in den Großstädten. "Und zu dem anwesenden Minister Weiser (Minister für den ländlichen Raum) gewandt, fügte ich hinzu:

"Es liegt mir fern, für jeden Buchener, der nach Mannheim oder Stuttgart geht, ein Kopfgeld zu fordern. Aber höheren Orts sollte man diesen Beitrag des" flachen Landes "einmal mit in Rechnung zu stellen, damit nicht der Eindruck entsteht, wir wären bloß ein lästiges Zuschussgebiet."

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Buchen ehrt seine Großen. Davon zeugen Gedenktafeln, Namen von Straßen, Gebäuden und Schulen. Einem von ihnen hat die Stadt sogar ein Denkmal gestiftet: Dr. Franz Burghardt. Aber gerade er steht nicht im Konversationslexikon. Er war kein Künstler, kein Wissenschaftler, kein Staatsmann. Er hat nichts entdeckt, nichts erfunden, nichts veröffentlicht und doch höchste Auszeichnungen und Ehrungen erfahren.

Seine Herkunft und sein Lebenslauf war zur Legende geworden und die las sich so:
Vom armen Schusterbub und Gänsehirten stieg er durch eigene Kraft empor zum Leiter des großen Krankenhauses der ungarischen Hauptstadt. Sein Vater, der Schuster war, ging mit den gefertigten Waren öfters auf den Hausierhandel. Seine Wohnung war in der Linsengasse, einer rechten Buchener Armengasse. Gelegentlich eines solchen Hausierhandels soll er von Wegelagerern überfallen, ausgeplündert und erschlagen worden sein. Auch die Mutter starb früh. Der junge Gänsehirt wurde später Tüncher, kam auf der Wanderschaft nach Wien und erkrankte (nach anderen ist er schwer verunglückt). Sein Arzt erkannte die besondere Begabung des jungen Handwerkers und hat ihm die Wege zum späteren erfolgreichen Studium geöffnet: Soweit P. Ambrosius Götzelmann in: "Buchens bedeutende Persönlichkeiten".(1928)

Im Jahre 1972 trat Herr Walter Roos, damals 1.Vorsitzender des Vereins Bezirksmuseum, an mich heran, ob ich nicht ähnlich wie über Abt Bessel etwas über Dr. Franz Burghardt schreiben könnte. Für Forschungen in Ungarn nannte er mir den ihm bekannten Dr.Josef György, einen ehemaligen Bibliothekar. Es entwickelte sich ein lebhafter Briefwechsel. Herr Dr. György schrieb, dass er zwar "volldämpfig" mit Burghardt beschäftigt sei, aber nichts finden könne, außer, dass sich Burghardt 1841 einmal für eine Ärzteversammlung angemeldet hätte. Bei Kornel, Geschichte der Wanderversammlungen der Ärzte und Naturforscher, fand ich seine Teilnahme für die erste und zweite dieser Versammlungen. Direkte Kontakte zu ungarischen Archiven waren damals nicht möglich.

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Ich beschäftigte mich zunächst mit der Familie Burghardt, einem alten Buchener Bürgergeschlecht, das seit 1639 hier nachweisbar ist. Der Vater von Franz Burghardt hieß Joseph Anton 1, wurde hier am 2.9.1774 geboren und heiratete am 8.2.1796 Agnes Scheuermann, geboren am 6.3.1770 in Unterneudorf. Der Vater war nicht Schuster, sondern Bauer (civis coloni). Von seinen 4 Kindern starben 2 früh, die beiden anderen waren Joseph Amor, geboren am 24. Januar 1799 und der am 26.1.1803 geborene Johann Franz. Der Vater wurde nicht bei einem Hausierhandel mit Schuhen erschlagen, sondern war im Auftrag mit einer Fuhre Töpferwaren am 21. Dezember 1804 zum Thomasmarkt (einer Art Weihnachtsmarkt) nach Bödigheim unterwegs. Auf dem Heimweg fiel er so unglücklich vom Wagen, dass er starb. Dies stellte eine gerichtliche Obduktion fest. Er war erst 30 Jahre alt, seine beiden Söhne 4 und 1½ Jahre.

In einer alten Buchener Zeitung vom 1.Apri1 1890 fand sich ein Nachruf auf den am 26.3. Verstorbenen Dr. Franz Burghardt. Dort heißt es, dass schon der damalige Buchener Kaplan auf die geistigen Anlagen des Schülers aufmerksam geworden war und ihm mit anderen Lateinunterricht gab "und zwar gegen den Willen des Pfarrherrn (Adam Friedrich Krebs, Pfarrer von 1802-1831), welcher meinte, dass Gänsehüten für so einen armen Burschen gerade gut genug sei."
Gänsehirt wurde er also nicht. Nach einigen Jahren soll er, wieder mit Hilfe des Kaplans, ins Gymnasium nach Tauberbischofsheim gekommen sein (in Buchen gab es noch keines), dann an die "mehr mit Stipendien gesegnete Anstalt in Rastatt". Als er dort "ohne alle Mittel von zu Hause, bald am Ende seines Lateins angelangt war, beschloss er, sein Glück in der Kaiserstadt Wien zu suchen."

Weder in Tauberbischofsheim noch in Rastatt fanden sich darüber irgendwelche Unterlagen. Durch meine Arbeiten über Bessel war ich 1970 auch mit Wiener Archiven bekannt geworden. Von dort kamen dann die ersten entscheidenden Aufschlüsse. Da Burghardt in jenem Nachruf als "Feldarzt" bezeichnet wurde, wandte ich mich an das Kriegsarchiv in Wien. Hofrat Dr.Hillbrand eruierte eine militärische Laufbahn von Burghardt. Er trat am 1.Oktober 1824 als Unterarzt in das k.k. Heer ein "nach Absolvierung von zwei Jahrgängen medizinischer Studien in Heidelberg". Also kein Tünchergeselle auf der Walz nach Wien. Die Personalakte vermerkt zu Burghardts Schulbildung: "Normalklassen regelmäßig gehört, 6 Klassen zu Bischofsheim". Von Rastatt ist nicht die Rede, zeitlich auch kein Raum, denn am 12.Februar 1822 immatrikulierte er sich an der Universität Heidelberg, um Chi-rurgie zu studieren. Er ist nun 18 Jahre alt und zahlt 7 Gulden Matrikelgeld, war also kein Bettelstudent. 6 Gulden zahlten für ihre Söhne ein Graf von Schönburg, ein Archivrat, ein Regierungsrat. Als letzter Aufenthalt ist für Burghardt "Bibliothek" vermerkt. Der Leiter des Universitätsarchivs bemerkte mir dazu, dass es sich um eine kurzfristige Tätigkeit gehandelt haben müsse. Näheres sei nicht bekannt, da über Hilfskräfte keine Personalaktenangelegt wurden. Das Medizinstudium war damals in Mode gekommen und gerade Heidelberg bot beste Voraussetzungen dazu.

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Burghardt tat in Wien zunächst Dienst beim Feldartillerie-Regiment Nr.5, dann in Padua beim Husaren-Regiment Nr.32 (Fürst Esterházy ). Am 25.August 1827 wurde er zur Vollendung seines Studiums an die Josephs-Akademie in Wien abkommandiert. Dort hörte er zunächst Anatomie, theoretische Medizin und Chirurgie, dann in zwei weiteren Lehrgängen praktische Medizin, Geburtshilfe und Augen-heilkunde, auch Veterinärkunde. In allen Prüfungen erhielt er ein Zeugnis "Erster Klasse". Am Ende waren noch zwei "strenge Prüfungen" zu bestehen. In der ersten erreichte er aus unbekannten Gründen nur ein "sufficienter" (genügend), die zweite bestand er mit "bene" (gut), was ihm auch als Gesamtnote zugestanden wurde. Als praktische Übungen werden erwähnt: wie viele Kranke er in welchen Abteilungen behandelt und deren Krankengeschichte verfasst, auch, dass er zwei Kinder mit Erfolg geimpft hätte, Leichenschauen beigewohnt und eine gut verrichtet.

Damit verbunden war die Approbation als Wund- und Geburtsarzt und der Titel "Feldarzt". Burghardt verpflichtete sich auf 8 Jahre, musste keine Kaution hinterlegen und konnte nun auch an eine Heirat denken. Am 2. Februar 1831 vermählte er sich mit Katharina Retzer, einer Witwe, die ihm jedoch schon im August der Tod entriss. Im selben Monat avancierte er zum Oberfeldarzt. Am 1.Oktober 1831 kam er nach Pest, das nun seine zweite Heimat werden sollte. Eine zweite Heirat ging er 1833 ein.

In einer "Conduit-Liste" (eine Art allgemeines und Führungszeugnis) von 1835 heißt es über Burghardt: "Sehr eifrig und verlässlich. Sucht sich noch immer für seine Bestimmung fortzubilden. Ein Mann von feinem Ehrgefühl, daher sehr moralisch. Keine Fehler und niemals wegen solcher gewarnt worden. Körperlicher Gesundheitszustand: jung, kräftig. Gemütsbeschaffenheit: munter. Geistesfähigkeiten: viele. Ist in einer jeder Hinsicht ein gebildeter Arzt."

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Als sich 1989 die Grenzen öffneten, versuchte ich, in Budapest selbst Näheres über Burghardt zu erfahren. Die Fahrt stand unter keinem guten Stern. Bei Straubing scherte unser Auto bei Aquaplaning aus - Totalschaden. Mit Leihwagen nach Hause, mit neuem Auto am übernächsten Tag neuer Anfang. Stadtarchiv Budapest, 6.Oktober 1989. Dr. Burghardt? Völlig unbekannt. Ein Foto des Buchener Denkmals machte Eindruck und erweckte Interesse. "Diesen Orden hat mein Großvater auch gehabt", rief der Beamte, der uns empfangen hatte, als er ein Foto Burghardts mit seinen Orden sah. Im Reichsarchiv auf der Burg könnte etwas über ihn zu finden sein. Wir machten uns auf den Weg dorthin. Der Abteilungsleiter, Dr. Imre Reß, hatte in Wien studiert, dann dort im Haus-, Hof- und Staatsarchiv gearbeitet, Tür an Tür mit Dr. Rill, den ich inzwischen als Hofrat und Leiter dieses Archivs kennen gelernt hatte. So war ein Kontakt hergestellt: Dr. Reß versprach Nachforschungen, Burghardt war auch ihm unbekannt. So sahen wir uns ein wenig in Ungarn um und fuhren dann wieder heim.

Nach einem Monat kam Nachricht: es existieren 4 umfangreiche Aktenbündel über Burghardts Tätigkeit von 1854-1867.

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Bis Kopien dieser Akten eintrafen, war noch einiges über Burghardt für die Zeit bis 1854 zu klären. So sollte er sich 1836 in Gießen den Doktortitel erworben haben. Aus den lückenlosen Militärakten ist aber für jene Zeit keine Beurlaubung vermerkt. Vorsichtshalber sah ich das Register zu den Matrikeln und Inskriptionsbüchern der Universität Gießen ein: kein Burghardt (oder Burkert, wie er sich auch schrieb) zu finden. Eine Anfrage beim Universitätsarchiv Gießen ergab einen überraschenden Sachverhalt. Burghardt hatte eine handschriftliche Dissertation eingereicht und daraufhin die Doktorwürde in Abwesenheit per Post empfangen. Das wäre in der Mitte des 19.Jahrhunderts durchaus möglich und besonders in Gießen üblich gewesen. Burghardts Thema: "De thermis ferratis in regno Hungariae Pestini existentibus" (Über eisenhaltige Quellen in Pest im Königreich Ungarn). Die Dissertation wurde nicht gedruckt, die Handschrift ist im letzten Kriege verloren gegangen.

Was Burghardt nicht wußte: ein Zirkular vom 1.4.1827 (bzw. l7.4.1832) nach einer Allerhöchsten Entschließung vom 1.12.1819 erlaubte österreichischen Untertanen nur mit allerhöchster Genehmigung, an einer fremden Universität zu studieren und das Doktor-Diplom einer ausländischen Universität anzunehmen. Der Regimentsarzt Dr.Neuhold klagte, dass Burghardt den Doktortitel usurpiere. Die "Oberstfeldärztliche Direktion" (Burghardts oberste Behörde) solle sich dazu äußern. Der Bericht vom 20.2.1842 lautet dahin, dass Burghardt weder an der JosephsAkademie noch an einer anderen inländischen Universität den Magister oder Doktortitel erhalten habe. Die Erlangung des Doktorgrades von der Universität Gießen ist "hierorts ämtlich nicht bekannt." Zu einem Magisterstudium der Augenheilkunde in Pest erteilte die Direktion weder die Ermächtigung, noch war sie hiervon in Kenntnis. Sie erfuhr davon erst ein Jahr danach.

Burghardt richtete sofort ein Gesuch an Seine Majestät, das Gießener Diplom annehmen und den Titel eines Doktors führen zu dürfen. Das Gesuch wurde abgelehnt. Er habe 1. nicht vorher um Bewilligung ersucht, 2. das in unrechtmäßiger Weise erlangte Diplom dazu benutzt, sich an der Pester Universität einen Vorteil zu verschaffen. Außerdem wird ersucht, "erheben zu lassen, wie derselbe, ganz gegen die Vorschrift die Vorlesungen über die Augenheilkunde in Pest hören und ... graduiert werden konnte."

Darüber war Burghardt einigermaßen betroffen, auch wohl verärgert. Seine Dienstzeit war mit 10. Januar 1839 schon beendet gewesen. Eine Abfindung oder Pension stand ihm nicht zu. Alsbald reichte er ein Gesuch um Entlassung ein. Das Generalkommando hatte keine Einwände und die "Oberstfeldärztliche Direktion" berichtete, dass Burghardt keine Verbindlichkeiten gegen das hohe Aerar habe (d.h., keine Schulden, für die der Staat hätte aufkommen müssen) und empfahl, das Gesuch "um so mehr bewilligen zu wollen, als er nach der Conduitliste mit Leberverhärtung behaftet ist, die schwächend auf den übrigen Organismus zu wirken beginne, und daher zu befürchten ist, dass er mit der Zeit dem hohen Aerar durch Invalidierung zur Last fallen würde." Das hätte der Staat nicht zu befürchten gehabt, denn Burghardt lebte noch fast 50 Jahre. Mit 15.Oktober 1842 wird er nun "außer Stand und Gebühr" gebracht.

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Soweit meine Kenntnisse aus Wiener Archiven. Nun kamen Kopien aus dem Reichsarchiv Budapest, außerdem hatte Herr Dr. Reß inzwischen auch Forschungen im Stadtarchiv eingeleitet. Der dortige Abteilungsleiter, Gabor Breinich, sandte einen 7-seitigen Bericht. Ich bestellte sofort Kopien der dort genannten Akten. [Sie liegen an verschiedenen Stellen, einen eigenen Akt über Burghardt gibt es nicht.] Überraschend zunächst, dass sich keinerlei Angaben darüber finden ließen, dass Burghardt nach seiner Entlassung noch als Arzt tätig war. Die Fama berichtete bisher von einer "glänzenden medizinischen Laufbahn". Tatsächlich gibt es eine Akte, in der es heißt: "Franz Burghardt, vormals k.k. Regimentsoberarzt, verließ diese Stellung, als er durch Heirat in eine wohlhabende Familie in Pest eingetreten war, und sich dem Berufe eines ausübenden Arztes in dieser Stadt mit Glück und sehr gutem Rufe widmete." Im Nachruf von 1890 hieß es: "Er wurde bald zum geschicktesten Arzt der ungarischen Hauptstadt, so dass er genötigt war, seine militärische Stellung aufzugeben, um ganz seinem Beruf als Arzt leben zu können." Die genannte Heirat mit Anna Maria Gerschläger fand schon am 16.Februar' 1833 statt, die Entlassung erst 1842. Der Schwiegervater war Faßbinder, hatte 4 Gesellen und einen Lehrling. Millionär war er nicht. Rätselhaft, dass Burghardt in der Heiratsakte als "coelebs" = ledig bezeichnet wird. Ein Irrtum' Offiziere brauchten eine eigene Heiratserlaubnis ihrer vorgesetzten Behörde. Sie war an verschiedene Bedingungen geknüpft, z.B. Schuldenfreiheit. Eine eventuelle größere Mitgift war nicht unerwünscht. Das erinnert an die Anekdote von dem Offizier, dessen Schwiegervater Bankrott gemacht hatte. "Jetzt möchte ich sein Gesicht sehen, wenn er erfährt, dass er doch aus Liebe geheiratet hat."

Eine zweite Reise nach Budapest erwies sich trotz eines Stapels von Kopien als notwendig. Es fanden sich zu viele Burghardts, auch mit dem Vornamen Franz (sogar mit Beziehungen nach Buchen), doch nur ein Dr. Burghardt. Der Titel ist anscheinend nicht mehr angefochten worden. In Adressbüchern und Kalendern erscheint Burghardt nach seiner Entlassung nur noch einmal als Arzt: 1885/86. Da war er 82 Jahre alt!

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Wenn Burghardt weder Abfindung noch Pension als Militärarzt zustand, wenn er seinen Arztberuf nicht mehr ausübte, wenn er keine reiche Heirat getan hat, wovon lebte er und vor allem, woher nahm er die Mittel für die vielen hochdotierten Stiftungen? Die Budapester Akten brachten eine ganz andere Tätigkeit Burghardts zutage, die in keiner hierorts bekannten Quelle aufscheint. Er war ein geschickter Geschäftsmann geworden und beschäftigte sich mit Immobilien. Er kaufte Grundstücke, alte Häuser zum Abriß und ließ neue bauen, zwei- und dreistöckige, die er dann mit hohem Gewinn verkaufte. Für eines davon zahlte eine Eisenbahngesellschaft 167 000 Gulden.

Das alles war nur möglich, weil auch die Umstände günstig waren. Ungarn war im Wandel. Bisher verband man mit Ungarn Wein, Pferde und Schweine. Nun kam in dem bisherigen agrarischen Ständestaat die Industrie dazu. Aus den beiden Städten Ofen und Pest wurde Ungarns Hauptstadt Budapest und schmückte sich mit prächtigen Bauten: 1842 die weltbekannte Kettenbrücke, dann ein Parlamentsgebäude, das einer Weltmacht Ehre gemacht hätte, ein Schloss, das an Größe und Prunk das Wiener übertraf. Natürlich auch eine Oper, ein Nationalmuseum etc.

Das "Reformzeitalter" begann. Graf Szechenys (1792-1860) (Fanden oben kein Gehör. Deutlicher wurde Kossuth (1802-1894) mit seinen Forderungen im Revolutionsjahre 1848: eigene Verfassung, Presse- und Redefreiheit. Ungarn erklärte sich für unabhängig. Ein Aufstand wurde mit Hilfe Russlands niedergeschlagen. Danach unter Innenminister Bach Rückkehr zum Zentralismus, "Bachzeit" oder "Neoabsolutismus" nannte man diese Periode. Mit Erzherzog Albrecht als Statthalter trat eine gewisse Normalisierung ein. Burghardt hatte sich in der Zeit dieser Wirren politisch zurückgehalten, blieb aber als Deutscher kaisertreu.

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Als am 29.9.1851 eine neue Gemeindeordnung eingeführt wurde, ließ er sich 1852 in den Gemeinderat wählen. Am 22.April 1854 wurde er vom Kaiser mit der höchsten Stufe des Verdienstordens ausgezeichnet: Gold mit Krone. Der Verleihungsvorschlag mit der Begründung hat sich nicht erhalten, aus einem späteren Vorschlag für eine weitere Ehrung geht jedoch hervor, dass bei der Auszeichnung "vorzugsweise die unter allen Umständen bewährte loyale Haltung" berücksichtigt wurde.
Als Gemeinderat (ein Ehrenamt) hat Burghardt, so heißt es nun, "seine Aufgabe mit seltener Gewissenhaftigkeit und in ausgedehntestem Umfange aufgefasst und der Kommune die vorzüglichsten, ersprießlichsten Dienste geleistet". Allen Angelegenheiten habe er das regste Interesse bekundet und sich auf verschiedensten Gebieten hervorragende Verdienste erworben.

Ich greife zwei davon auf, da sich Burghardt auch für Buchen in diesem Sinne betätigt hat. Für die Pester Oberrealschule war er weltlicher Schulaufseher, ebenso für die mit einer Präparanderie (Lehrerbildungsanstalt) verbundene Musterhauptschule und hat zu der vorzüglichen Stellung, welche beide einnahmen, Wesentliches beigetragen. Er kümmerte sich um die Bewilligung eines ausreichenden Fonds für Lehrmittel, brachte eigene Vorstellungen für die Erweiterung der Unterrichtsfächer ein, die er energisch durchsetzte. Als Mitglied der Baukommission ist ihm die solide Herstellung eines neuen Institutsgebäudes zu verdanken.

Besondere Verdienste erwarb er sich beim Bau eines Schulgebäudes in der Franzstadt. Das war ein Stadtteil mit ärmerer Bevölkerung. Für diese setzte sich Burghardt immer besonders ein. Täglich war er am Bauplatz und leitete die Arbeiten, warb Arbeiter an und besorgte Baumaterialien. Seine guten Verbindungen benutzte er, um unentgeltlich Kalk, Ziegel und Fuhrleistungen zu erlangen. So ist mit verhältnismäßig geringen Mitteln das Muster eines Schulhauses entstanden, das allen Anforderungen genügte.
Das ergiebigste Feld seiner Tätigkeit fand er im St.-Rochus-Spital, heute nach Semmelweis benannt. Eine Reihe von Missständen, z.B. Unterschleife (Unterschlagungen) an Material und sogar Inventar, ein allgemeiner Schlendrian, waren an der Tagesordnung. Das veranlasste die Statthalterei auf Antrag des Gemeinderates, Burghardt 1853 zum Inspektor mit umfassenden Vollmachten zu bestellen. Er griff scharf durch, stellte unerbittliche Kontrollen an und duldete keine "eingealterten Gepflogenheiten".

Die Einführung der Steinkohlenheizung statt der Heizung mit Holz sparte der Stadt jährlich mehrere tausend Gulden, denn "Holz war das ergiebigste Feld der Unterschleife". Ähnlich war es mit der Wäsche. Burghardt ließ 12 000 Meter Leinwand zu Leintüchern, Hemden usw. verarbeiten und überwachte dabei sogar den Zuschnitt. Er führte die Gasbeleuchtung ein (der Direktor des Gaswerkes war ein guter Freund von ihm, später sein Testamentsvollstrecker), ließ eine Waschküche und eine Trockenkammer errichten, Holzbetten durch eiserne ersetzen die Fußböden erneuern. Wo der Etat nicht reichte, sammelte er bei Bekannten Beiträge (z.B. 8000 Gulden für die eisernen Betten). Mit seinen 600 Betten war das Spital zu klein, 200 weitere würden benötigt. Ein Neubau war schon lange geplant, der jetzige sei ein Pfuschwerk. Burghardt empfiehlt eine Verbindung mit der Universität und arbeitet Pläne aus, sachlich fundiert, umsichtig und realistisch.

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Wie konnte man Burghardt dafür ehren? Der Vizepräsident der Statthalterei war auf ihn aufmerksam geworden und bittet den Bürgermeister um eine Stellungnahme. Dieser ist voll des Lobes über Burghardts Verdienste und fügt noch hinzu: "Diese ersprießlichen Leistungen werden umgeben von der Folie einer hervorragenden Loyalität und treuen Anhänglichkeit an die Allerhöchste Dynastie." Er empfiehlt, Burghardt durch Verleihung des Titels eines kaiserlichen Rates auszuzeichnen. In Akten des Generalgouvernements fand ich das Konzept des Antrags an das Innenministerium über die Ernennung Burghardts zum kaiserlichen Rat. Doch Datum und Expeditionsvermerk (Absendung) fehlen. Am Rande steht: "Vorläufig zurückzuhalten." Zum Bericht des Bürgermeisters heißt es: "Ist bis zum Eintritt eines geeigneten (verbessert aus: günstigen) Moments aufzuheben und in Evidenz zu halten."

Wann sollte dieser "günstige Moment" sein? Wenn sich die politischen Verhältnisse wieder geändert hätten. Österreich hatte 1859 den Krieg in Italien verloren. Im selben Jahr fanden Feiern zu Schillers 100.Geburtstages statt: Thema vieler Dramen Schillers ist der Freiheitsgedanke. Das heizte nationale Strömungen an. Burghardt hielt sich jetzt von jeder öffentlichen Tätigkeit fern, war auch nicht mehr im Gemeinderat. Er benutzte die Zwischenzeit bis zu einer Änderung der Lage zu einem Besuch in seiner Heimatstadt Buchen mit seiner Gemahlin 1860.

Kaiserin Elisabeth war den Ungarn gewogen und versuchte, ihren Gemahl dazu zu bewegen, den Ungarn entgegen, zu kommen. Erst 1865 tat er einen entscheidenden Schritt und besuchte Pest. 1867 erfolgte das, was man "Ausgleich" nannte. Der Reichsteil Ungarn bekam eine gewisse Autonomie, "Österreich-Ungarn" entstand. Burghardt war inzwischen seitens des Magistrats als Vertrauensmann in allen wichtigen Kommunal-Angelegenheiten wieder zu Rate gezogen worden, und nun konnte an die schon lange geplante Ehrung gedacht werden. Allerdings, ein "Kaiserlicher Rat" passte nun nicht mehr in die Situation. So schlug man ihn zum "Ritter des Franz-Josephordens" vor. Letzte Verdienste: Burghardt hat nach dem italienischen Krieg drei Monate unentgeltlich Dienst als dirigierender Oberarzt im Lazarett getan, ein Volksfest zugunsten der Verwundeten mit einem Reinertrag von 5200 Gulden veranstaltet, ferner eine Geldsammlung zum selben Zweck durchgeführt. Am 25.2.1867 verlieh ihm Kaiser Franz Joseph den Orden. Zu Ehren seines Kaisers nannte sich Burghardt nun in allen offiziellen Schreiben "Ritter des Franz-Josephs-Ordens". So steht es auch auf dem für seinen Vater gestifteten Grabdenkmal bei der Buchener Kreuzkapelle.

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Was hat nun Burghardt für Buchen getan? Schließlich hat Buchen ihm ein Denkmal gesetzt, nicht Budapest. Um es mit zwei Worten zu sagen: Burghardt war ein "heimattreuer Menschenfreund". Seine Bemühungen galten drei Anliegen: Linderung der Armut, dann - von seinem Beruf ausgehend - dem Gesundheitswesen, schließlich der Jugendbildung. Am liebsten half er einzelnen persönlich und freute sich an ihrer Freude. So schrieb er am 3.10.1855: "Es gehört zu meinen größten Vergnügungen, wenn ich in der glücklichen Lage sein kann, einem meiner lieben Landsleute einen Dienst zu erweisen." Sein höchster Wunsch wäre, "wenigstens alle meine lieben Buchener glücklich und zufrieden machen zu können." Im einzelnen ist davon in Akten wenig zu finden. Doch hat er so z.B. 1858 den erkrankten Bäckergesellen Karl Wittemann in Budapest, der aus Buchen stammte, kostenlos ins Buldapester St. Rochus-Spital aufgenommen, d.h. natürlich, dass er für die Kosten aufkam.

Bei P.Götzelmann heißt es über Burghardt: "Auch die Mutter starb früh." Im Nach-ruf von 1890 dagegen steht, dass er seine hochbetagte Mutter nach Pest holte, "nachdem er eine Lebensstellung errungen und einen festen Wohnsitz erworben hatte." Sie soll dort noch 10 Jahre gelebt haben. Ihr Sterbedatum war nicht zu ermitteln, ist aber zwischen 1840 und 1850 anzusetzen, sicher vor Burghardts Besuch in Buchen 1860. Burghardt besaß noch seinen Bruder Joseph Amor in Wien.

Er war Drechsler, nicht Bäckergeselle, wie die "Überlieferung" will. Da er am 21.6.1822 die Tochter eines Tischlers ehelichte, ist anzunehmen, dass er einheiratete. Als er am 1.11.1844 starb, hinterließ er zwei Töchter und einen Sohn im Alter von 10, 3 und einem Jahr, doch 5 Monate nach seinem Tode wurde noch eine Tochter geboren, Josepha. Die Witwe führte den Betrieb weiter, er ist als solcher bis 1853 registriert, doch das erste Wiener Adressbuch von 1857, nennt sie nicht mehr. Von Burghardt wird berichtet, dass er die jüngste Tochter, Josepha, bei sich aufgenommen hat.

Auf der Rückkehr von Buchen 1860 könnte Burghardt die Fünfzehnjährige Josepha aus Wien mit nach Budapest genommen haben. Am 2.10.1871 heiratete sie den Hauptmann Leodegar Birti, der von Kaiser Franz Joseph 1876 als "Edler von Lavarone" geadelt wurde.

Die weitere Verwandtschaft war groß. Viele wandten sich an Burghardt um Hilfe. Wo er konnte, half er gern. Sie wohnten in Buchen, Heidersbach, Berolzheim, aber auch in Mannheim, Ludwigshafen, Neustadt, Edelfingen, ja sogar aus Amerika kamen Bittbriefe.

Als ihn sein Vetter Franz aus Berolzheim daran erinnerte, dass er ihm einst, als er Schüler in Tauberbischofsheim war, eine billige Uhr aus Tombak (Messing) geschenkt hatte, ließ ihm Burghardt eine goldene Repetieruhr zukommen, um "eine alte Schuld abzutragen". Jährlich sandte er nach Buchen einen ahnsehnlichen Betrag zur Unterstützung der Armen. Hungersnot und Misswachs hatten die Stadt öfter heimgesucht. Die goldenen Zeiten des einstigen "Talerstädtchens" waren längst vorbei. Seine Randlage im neuen Staat Baden wirkte sich auf Handel und Verkehr ungünstig aus. Von Industrie war noch keine Rede.

Als der Prinzregent Friedrich von Baden auf seiner Österreichreise Wien besuchte, hatte Burghardt eine Audienz bei ihm. Da kam das Gespräch auch auf die Lage des Odenwaldes und im besonderen auf Buchen. Burghardt war von der Anteilnahme des Prinzregenten so berührt, dass er spontan den Plan für ein Armenversorgungsinstitut in Buchen entwickelte und den Prinzregenten bat, ihm den Namen "Leopoldinum" geben zu dürfen nach dessen verdienstvollem Vater, Großherzog Leopold (1790-1830-1852).

2000 Gulden stiftete Burghardt noch im selben Jahre 1852 für einen Armenfond und sicherte weitere Beträge zu. Zugleich forderte er die Buchener, insbesondere seine Jugendfreunde auf, nach Möglichkeit das Ihre dazu zu tun.

Vor Weihnachten 1853 erschien in der Buchener Zeitung ein dreiseitiger "Aufruf an die Bewohner der Großherzoglichen Badischen Amtsstadt Buchen", der sich mit der Armut und dem Bettelunwesen in der Stadt beschäftigte. Das gute Beispiel Burghardts wird hervorgehoben, aber auch an frühere Stifter und ihre Stiftungen erinnert. So an Conrad Wimpina, an Stadler, Heß und Kreuter.

Tatsächlich beschäftigt sich schon die erste schriftliche Erwähnung Buchens mit Stiftungen seiner Bürger. Grundstücke, Häuser, Mühlen, ja ihr ganzes Hab und Gut stifteten sie an das Kloster Lorsch. Nur taten es die Damaligen aus anderen Gründen. Sie erhofften sich damit die ewige Seligkeit zu erlangen.

Conrad Koch-Wimpina stiftete in seinem Testament für die Armen und für die Schule (1530). Ähnlich auch Abt Gottfried Bessel. An die Armen dachten auch die Eheleute Hoffmann, die 1472 dem Buchener Spital ihr ganzes Hab und Gut vermachten. Koch-Wimpina dachte mehr an einzelne Personen, nicht an eine Institution wie das Spital. Dieses hatte vielfältige Aufgaben: Herberge für Arme, Schwache und Kranke. Übernachtungsstation für Gebrechliche (aber nur für eine Nacht), nicht jedoch für Gesunde, Spengler, Kesselmacher und andere Landstreicher.

Burghardts Beispiel und der Aufruf von 1853 hatten Erfolg. Zahlreiche Zustiftungen sind zu verzeichnen. Der Armenpfleger (ein Ehrenamt) wurde angewiesen, Unterstützungen nur ausnahmsweise in barem Geld zu leisten, mehr in Kleidern und Lebensmitteln, in der Regel jedoch soll er Gelegenheit zu Arbeit und Verdienst schaffen. (Klingt nicht unmodern). Schon war man in Buchen auch mit der Einrichtung eines Spitals zur Krankenpflege beschäftigt. Drei Stuben mit fünf Betten erwiesen sich aber als völlig unzureichend. Inzwischen aber hatte Burghardt mit seiner Frau im Jahre 1860 Buchen besucht und sich einen Überblick über die Lage der Stadt und ihrer Einwohner verschafft. 1862 machte er einen Plan für den Neubau eines Spitals und stiftete dazu 10 000 Gulden.

Das reichte für einen Neubau nicht aus und so richtete Buchen zunächst in dem von den Fürsten von Leiningen erworbenen Areal der einstigen Kurmainzischen Kellerei im Amtshaus Trunzerhaus ein Spital ein. Erst mit Hilfe weiterer Stiftungen war dann ein Neubau in der Hettinger Straße möglich, der im Jahre 1900 seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

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Der kinderlose, aber kinderliebe Burghardt hatte sich schon in Budapest große Verdienste um Jugend und Bildung erworben. Schulbauten, Lehrerbildung und Lehrpläne waren sein Anliegen. Es wird auch von einem großen Kinderfest, das er 1865 zu wohltätigen Zwecken aus ausrichtete, berichtet. Für Buchen stiftete er nun 15000 Gulden zu einem Stipendienfond für Studierende. Damit sollten "alljährlich hilfsbedürftige, brave, talentvolle und fleißige Schüler ohne Unterschied der Konfession, welche in Buchen Heimatrecht haben", Stipendien erhalten. Burghardt fügt hinzu: diese Schüler sollten "das Gelöbnis oder Versprechen abgeben, wenn sie in die Lage gelangen sollten, die erhaltenen Stipendien leicht wieder ersetzen zu können, dieses für recht und billig halten und zu tun versprechen." Die Beträge sollten als Zustiftungen verwendet werden. Burghardt erinnert sich dabei an seine eigene Jugend, die für ihn nicht einfach war, ja er nennt sich in einem Brief sogar damals "einen der ärmsten der Armen". Er will dazu beitragen, "einen und den anderen unserer wissbegierigen armen Jugend zum gesinnungstüchtigen, tauglichen Staatsbürger heranzubilden, welcher dann bei seinen gemachten Erfahrungen wieder und bereit sein dürfte, in ähnlichem Geiste vorzugehen und an seinen Mitmenschen wohltätig und nützlich zu wirken."

Weitere 15000 Gulden Burghardts waren einem Gymnasialfond zugedacht. Aus der "Höheren Bürgerschule" sollte ein sechsklassiges "Realprogymnasium" werden. Mit dem Schuljahr 1904/OS war es dann so weit. Als letztes lag ihm die Einrichtung einer Gewerbeschule am Herzen. Er hatte die Rückständigkeit und die Benachteiligungen unseres Gebietes gesehen, eingeleitet und verschlimmert durch die in seinem Geburtsjahr 1803 erfolgten staatlichen Umwälzungen. Unser Gebiet war im neuen Staat Baden an den Rand gerückt worden.

In Buchen gab es damals schon eine Bauernschule (Winterschule), die sich nicht nur um den landwirtschaftlichen Nachwuchs kümmerte. Burghardts neue Stiftung (20 000 Gulden) sollten Handwerker in ihrem Wettbewerb mit der aufkommenden Industrie unterstützen. Er dachte zunächst an eine bessere Ausstattung mit modernen Werkzeugen, an die Anschaffung von Fachliteratur und die Haltung von Fachzeitschriften.

Burghardt hatte die vielgerühmten "Zeichen der Zeit" erkannt und "investiert". In Ungarn förderte er Eisenbahnbau und Industrialisierung. Als Bauherr hat er in Budapest einige respektable Bauten hinterlassen und mit dem dabei Verdienten sich im sozialen Bereich engagiert, fast mehr noch im Bildungsbereich. Im besonderen aber für seine Heimatstadt Buchen.

Bescheiden bekennt er: "Ich danke zunächst Gott dem Allmächtigen, der es gefügt hat, dass ich es tun konnte. Ich bin damit nur dem Drange der Liebe zu meiner Vaterstadt gefolgt." Er wusste: mit Investitionen in das Bildungswesen war der Armut am besten zu steuern.

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Seine Verdienste um die Heimat blieben auch hier höheren Orts nicht unbeachtet. 1878 verlieh ihm der Großherzog von Baden das "Ritterkreuz Erster Klasse mit Eichenlaub vom Zähringer Löwen". Die Stadt Buchen bat Burghardt, sich malen zu lassen. Man wolle sein Bildnis im Rathaussaal aufhängen. Er folgte dem Wunsch, und als er das Bild gerade abschicken wollte, erhielt er den badischen Orden. Der wurde schnell noch dazu gemalt. Es hängt heute im Alten Rathaus. 1878, nach dem Tode seiner dritten Frau, hat Burghardt seine Heimat noch einmal besucht, hochgeehrt und gefeiert. Die Stadt Buchen verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde. 1889 ließ Burghardt dem Realgymnasialfond noch einmal eine Stiftung von 20 000 Gulden zukommen.

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Ein Jahr später, am 20. März 1890, ist Dr. Burghardt in Budapest verstorben. In seinem Testament bedachte er als Haupterbin seine Nichte Josephine von Birti, ferner zwei Kinder seiner Schwägerin. Die beiden anderen bekamen nichts, da sie "ohnehin mit Glücksgütern gesegnet sind." Ihrem Ehrenbürger und größten Wohltäter ließ die Stadt Buchen in den Bahnhofsanlagen ein Denkmal setzen. Zur Einweihung am 13. September 1891 kam seine Nichte Josephine von Birti aus Budapest.

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Was ist heute aus Burghardts Stiftungen geworden? Kapitalvermögen haben die beiden Geldentwertungen 1923 und 1948 aufgezehrt. Doch statt des Städtischen Krankenhauses in der Hettingerstraße haben wir heute ein großes Kreiskrankenhaus, ferner eine Rot-Kreuz-Station und eine Sozialstation. Der Erlös aus dem Verkauf des alten Krankenhauses kam dem Bau eines Altenwohnstiftes zugute.

Das Gymnasium, seit 1926 eine Vollanstalt mit Abitur, wurde 1954 nach Burghardt benannt und hat inzwischen einen großzügigen Neubau (5 Gebäude) bekommen. Die einst auch im Gymnasiumsgebäude untergebrachte Gewerbeschule hat sich zu einer Zentralgewerbeschule mit Technischem Gymnasium weiter entwickelt.

Nur fern von Buchen konnten Buchens Große groß werden, aber sie haben ihre Anhänglichkeit an Buchen bewahrt. Als Konrad Koch-Wimpina beim Kurfürstentag in Köln erkrankte, ließ er sich in seine Heimat bringen. Kurz davor, in Amorbach, ist er gestorben. Sein Grab fand er nach seinem Wunsch in Buchen, die anderen aber sind in der Ferne verstorben. Sie haben Buchen vergessen, und da sie die damaligen Verhältnisse hier kannten, halfen sie, wo und wie sie konnten. Das größte Verdienst hat dabei Dr. Franz Burghardt. Er schloss sich da vielen Vorgängern an und mahnte Zukünftige: "Ich wünsche von. Herzen, dass kein Buchener, wenn ihn auch das Schicksal in die weite Welt sendet, je vergesse, ein Buchener zu sein und zu bleiben und zu seiner Zeit, nach Erreichung günstiger Verhältnisse nach Möglichkeit seiner Abstammung nicht vergessen möge."

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Helmut Brosch

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