Burghardt-Gymnasium Buchen

Bericht der RNZ vom 24.08. 2007 (Anja Traspel)

Die "Buchen-Schule" in Chagmagh, im Westen Afghanistans, ist nun dank den gespendeten Geldern von der Schulgemeinde des Burghardt-Gymnasiums und des Lions-Club Buchen soweit fertig erbaut.

Der Bauleiter dieses Projekts, Zobair Akhi; der selbst aus Afghanistan stammt, aber bereits 20 Jahre in Deutschland gelebt hat, machte sich die Mühe, den langen Weg bis nach Buchen auf sich zunehmen und traf sich am Mittwoch mit dem Schulleiter des BGB, Manfred Lauer, mit der Schülergruppe des Afghanistan-Projekts und mit deren betreuendem Lehrer, Helmut Ehret. Akhi, der auch noch weitere Projekte dieser Art betreut und zusätzlich der Teamleiter der Hilfsorganisation "Grünhelme" in Afghanistan ist, berichtete über die aktuelle Situation und über zukünftige Planungen der neuerbauten Schule.

Chagmagh ist ein kleiner Ort, der ca. 20 km von der Provinz Herat entfernt. liegt. Dort fehlen um die 200 bis 260 Schulen. Als Akhi in seiner Jugendzeit dort lebte, gab es Schulen. Diese wurden erst durch russische Truppen und dann unter dem Talibanregime zerstört. Die jetzt vorhandenen Schulen sind oftmals Unicefzelte oder Viehzuchtzelte, in denen bis zu 60 Kinder gedrängt auf dem Boden sitzen. Deswegen haben sich die "Grünhelme" insbesondere auf den Bau von Schulen in dieser Region spezialisiert. Bildung wäre das beste Mittel um zu verhindern, dass Afghanistan wieder in die Hände der Taliban komme. "Die aktuelle Situation Afghanistans ist aber weniger brisant als es in deutschen Medien berichtet wird", meint Akhi.


Bedingungen für den Schulbau, der von "Grünhelme" finanziert wird, sind, dass die Dorfgemeinschaft einen Bauplatz zur Verfügung stellt, sowie Arbeiter, die mit Tageslöhnen bezahlt werden. Außerdem muss ein Haus für die Mitarbeiter vor Ort sein. Das BGB zeigte sich sehr engagiert und motiviert, den Bau in Chagmagh zu ermöglichen. Mit verschiedenen Aktionen, auch in Zusammenarbeit mit dem Lions-Club, steckten sich die Schüler gegenseitig mit Tatendrang und Eifer an. So wurden Kuchen- und Waffelverkäufe, ein größeres Benefizkonzert sowie ein im Rahmen des Schulfestes durchgeführter Sponsorenlauf organisiert. Dadurch kam eine ansehnliche Summe zusammen, und dem Projekt stand nichts mehr im Wege.

Der Bau der Schule dauerte etwa dreieinhalb Monate. Sie wurde im Winter unter schwersten Bedingungen und unter großem Zeitdruck errichtet. Straßen gibt es dort keine, und der viele Schnee erschwerte das Ganze, so dass an manchen Tagen das Arbeiten an der Baustelle ziemlich gefährlich war. Doch die Mitarbeiter mussten sich beeilen, denn ab Mai/Juni wird das Wasser in diesem Gebiet knapp und extra welches zu kaufen, wäre zu teuer gewesen. In der Woche vom 6. bis 12. Juni 2005 wurde die "Buchen-Schule" schließlich eingeweiht.

Die Schule ist ein Gymnasium und besteht aus 13 Klassenräumen sowie einem Lehrerzimmer. Sie ist für rund 1000 Schüler gedacht, bis zu 60 gehen in eine Klasse. Zur Zeit sind 27 Lehrer beschäftigt. Mädchen und Jungen sind getrennt. Die einen haben vormittags Unterricht, die anderen nachmittags. Neben zwei afghanische Sprachen lernen sie Englisch und haben auch naturwissenschaftliche Fächer wie Chemie und Mathematik. Es gibt aber auch noch Erdkunde, Geschichte etc.
Da im Winter in Afghanistan eisige Kälte herrscht und man keine Möglichkeit hat, die Räume zu heizen, haben die Jugendlichen in dieser Zeit drei Monate lang Winterferien. Im Sommer gibt's jedoch keine freien Tage.

Chagmagh liegt in der Mitte von acht Dörfern, aus welchen die Kinder und Jugendliche zur Schule kommen. Einige haben einen sehr langen Schulweg von bis zu einer bis zwei Stunden. Sie kommen entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad, teilweise auch mit Motorrädern oder mit Eseln. Mit ca. 20 Jahren haben fleißige Schüler ihr Abitur und haben anschließend die Chance, in Herat zu studieren. Das Studienfach wird je nach Noten oder eigenem Kapitalvermögen zugeteilt. Für afghanische Verhältnisse hat die Schule alle nötigen Einrichtungen. Die Kinder sitzen jedoch während des Unterrichts auf dem Boden. Tische und Stühle gibt es nur für höhere Klassen. Außerdem gibt es Probleme mit den Lehrbüchern. Sie werden zwar vom Staat gestellt, kommen aber nur selten wirklich an der Schule an.

Der letzte Geldbetrag des BGB, der eigentlich für einen Generator vorgesehen war, wurde nun doch für den Bau einer Mauer um das Schulgebäude und für die Bepflanzung des Schulhofs verwendet. Besonders die Mauer ist für die Menschen dort sehr wichtig, um sich wohlzufühlen. Außerdem wünscht man sich für die Zukunft noch kleinere Einrichtungen für sportliche Betätigungen, wie zum Beispiel ein Volleyball- oder Fußballfeld. Hinzu kommen Überlegungen, einen Sprachraum für das Fach Englisch anzulegen. Dafür bräuchte man jedoch entsprechende Lehrmaterialen, sowie Ohrhörer und einen CD-Player, um die Sprache gut lernen zu können. Ein Fernseher wäre auch ganz toll, fügt Akhi hinzu, damit die Schüler über verschiedene Medien einen besonders großen Lernerfolg erzielen könnten. Für solche technischen Geräte wäre wiederum Strom nötig den es bis jetzt noch nicht gibt: Das BGB will sich weiterhin darum bemühen, vielleicht ein paar Wünsche ihrer "Buchen-Schule" durch Geldspenden verwirklichen zu können und bleibt in ständigem Kontakt mit Akhi und somit auch mit der Schule. Außerdem überlegen Oberstudiendirektor Lauer und Helmut Ehret, selbst einmal vor Ort zu gehen, nach Chagmagh, um einen Gegenbesuch abzustatten und die Verbindung zur Partnerschule zu vertiefen. Doch zunächst beginnen die Planungen für einen afghanischen Abend am BGB mit traditionellem Essen und Musik.