Geschichte der Schule - Burghardt-Gymnasium Buchen (Odenwald)

Geschichte der Schule

Am 10. November 1845 eröffnete in Buchen die "Höhere Bürgerschule". Der Antrag des Buchener Schlossermeisters und Gemeinderats Valentin Kieser, in Buchen eine Höhere Schule zu gründen, datiert vom 29.Juli 1843. Am 10. November 1845 trat die Schule als sechsklassige Höhere Bürgerschule ins Leben. Mit 64 Schüler begann der Lehrbetrieb.

Anfangs räumte die Stadtverwaltung der neuen Schule vier Räume in der Volksschule ein. Auf die Dauer war das jedoch keine Lösung, und im Revolutionsjahr 1848 konnte die Höhere Bürgerschule ihr neues Domizil, den sog. Westbau in der Schüttstraße, beziehen. Zwei Jahre nach der Feier des 50jährigen Bestehens war der Ostbau fertiggestellt. Heute sieht man der Ekkehardt-Schule ihre Herkunft aus den beiden einst freistellenden Gebäuden nicht mehr an, da ein Mittelbau sie verbindet.

Mit dem Schuljahr 1904/05 verwandelte sich die Höhere Bürgerschule in ein Realprogymnasium. Das bedeutete, dass der Lehrplan der Klassen 5 bis 10 dem eines Realgymnasiums glich. Der Abschluß nach der 10.Klasse hieß damals das (heute Mittlere Reife), da die Absolventen nur ein Jahr Militärdienst ableisten mussten. Wer das Abitur erstrebte, um ein Universitätsstudium anzuschließen, musste die Klassen 11 bis 13 in einer größeren Stadt wie Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim oder auch Tauberbischofsheim besuchen.

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel aufgrund der Bestimmungen des Versailler Friedensvertrags der einjährige Freiwilligendienst in der Armee weg, was das Interesse an der Mittleren Reife stark verminderte. Der Ruf nach der ..Vollanstalt", die zum Abitur führte, wurde laut, doch nur die Angliederung einer 7. Klasse (heute Klasse 11) wurde 1922 genehmigt. Erst 1925 wurde die neunklassige Vollanstalt Wirklichkeit, so dass 1927 zwei Schüler ihr Abitur in Buchen ablegen konnten. In der großen Wirtschaftskrise, die seit 1930 über Deutschland hereinbrach, war die Existenz der neuen Schule sogleich wieder bedroht. Rettungsversuche endeten damit, dass man die Schule zwischen Walldürn und Buchen aufteilte. Die unteren drei Klassen wurden in Walldürn, die mittleren und oberen in Buchen unterrichtet

Im Dritten Reich wurde diese Notlösung wieder rückgängig gemacht. Stattdessen kombinierte man das erneut vollständige Realgymnasium, das jetzt den Namen "Odenwald-Schule" trug, mit einem Schülerheim, für das ein neues Gebäude errichtet worden war (heute Sozialpädagogische Schule). Generell wurde die Schulzeit um ein Jahr gekürzt. Im Kriegsverlauf brach der Schulbetrieb mehr und mehr zusammen. Häufiger Luftalarm, der zu Unterbrechungen oder zum Abbruch des Unterrichts führte, Abkommandierung der älteren Schüler zu Schanzarbeiten und/oder zum Militäreinsatz und Lehrermangel ließen einen kontinuierlichen Unterricht nicht mehr zu. Der 15. März 1945 war letzter Schultag. Nach einer Unterbrechung von mehr als einem Jahr konnte die Schule am 2. Mai 1946 unter völlig veränderten Umständen wieder eröffnet werden. Im Jahr 1954 nahm sie den Namen "Burghardt-Gymnasium" an. Der aus Buchen stammende Arzt Dr. Burghardt hatte in Budapest Karriere gemacht, aber seine Heimatstadt nicht vergessen. Mit seinen Stiftungen hatte er sich als Wohltäter der Stadt und der Schule erwiesen. Das größte Problem der Nachkriegsjahre war die durch die Zuwanderung der Ostflüchtlinge verursachte Raumnot. Unter größten Schwierigkeiten konnte 1958 der erste Teil des Neubaus bezogen werden. 1962, 1967 und 1973 folgten die übrigen Trakte. An inneren Reformen ist die Oberstufenreform, die 1978/79 eingeführt wurde, zu erwähnen. Sie brachte die Auflösung des Klassenverbandes zugunsten eines Systems von Grund- und Leistungskursen in vier Halbjahren, die Aufnahme neuer Fächer wie Astronomie oder Ethik und neue Klassenbezeichnungen, wodurch die lateinischen Ausdrücke Sexta, Quinta, Quarta bis Oberprima durch einfache Zahlen 5,6,7 bis 13 ersetzt wurden.

Ausführlichere Informationen im Jubiläumsband: 150 Jahre Burghardt-Gymnasium Buchen (1845-1995). Buchen 1995

Dr. Ebersold, OStR i.R.

 

Serie zum 175jährigen Jubiläum der Schule 2020 von StR Michael Kolbenschlag

Teil 1: Die Gründung in bewegten Zeiten

Teil 2: Das Ringen um die Schule im 19. Jahrhundert

Teil 3: Vom Ersten Weltkrieg bis zur Weltwirtschaftskrise

Teil 4: „Höllensturz“ – Das Burghardt-Gymnasium Buchen in der NS-Zeit 

Teil 5: Das BGB nach dem Zweiten Weltkrieg in der „Ära Hummel"

 

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